Denk-Fuchs

17 Dinge, die ich aus 2017 mit ins Neue Jahr nehme

Es ist, wie jedes Jahr um diese Zeit, der Moment für die Jahresrückblicke gekommen. Alle schauen fleißig zurück auf das Jahr, ziehen Bilanz und sind hoch motiviert im nächsten Jahr ständig Sport zu machen, nur noch Salat zu essen und nie wieder Geld auszugeben. Und natürlich wird all das wunderbar klappen.
Ich habe mir für dieses Jahr folgendes ausgedacht. Ich schaue zurück (Überraschung) und halte heute 17 Dinge aus dem Jahr 2017 fest um dann, am 1.1.2018, die passende Montagsmotivation mit 18 Zielen für das Jahr 2018 zu starten. Ich schaue ja gerne zurück. Für mich ist die Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr eine wunderbare Zeit um einmal ganz bei sich anzukommen. Zugegebenermaßen fiel mir genau das in diesem Jahr recht schwer, da ich zu den Feiertagen viel unterwegs war und die gemächliche Stimmung, die zur inneren Einkehr so vortrefflich passt, kaum zu spüren war. Dennoch möchte ich das nicht ganz aufgeben. Und so kommen heute 17 mal mehr mal weniger spektakuläre Erkenntnisse und Zusammenfassungen aus dem Jahr 2017 für euch und mich, denn dieser Post ist schon sehr egoistisch.

1.  Es kommt immer anders 
Oh ja, immer. Beispielsweise, wenn man Gefühle in einen hübschen Karton sperrt und die nach ganz hinten irgendwo schiebt. Das wird nichts. Kommt raus, wird anders und lohnt sich vielleicht sogar ein bisschen zu warten. Es lebe das Drama des Alltags ohne das wir grau und gelangweilt durch die Gegend schlurfen würden.
2. Ich bin Bambi
Ja, ich bin in mancher Hinsicht Bambi, bekomme große Augen und renne verschreckt in den Wald. Das ist nicht besonders löblich, denn eigentlich wäre ich gerne mutiger. Quasi eine Art Löwenbambi. Und manchmal renne ich einfach in die Angst rein. Das hat zur Folge, dass ich mal auf die Nase falle, blaue Knie und Ellbogen davon trage und mein Stolz ein bisschen mit Füßen getreten wird. Aber es hilft gegen Bambisein und Feigheit. Um es mit den Worten einer lieben Freundin zu sagen: Was ist das Schlimmste, was dir passieren kann? Dass du ein bisschen verletzt wirst, aber das wirst du überleben.
3. Erholung will gelernt sein
Das erste Jahr im Beruf und ich naja ich kann die Sache mit der Erholung nicht so gut. Irgendwie habe ich richtig viel zu tun gehabt, in der Freizeit gearbeitet und keine Balance gefunden. Natürlich arbeite ich gern, aber nichtsdestotrotz ist es vielleicht clever im Urlaub auch tatsächlich Urlaub zu machen.
4. Manchmal heißt es mutig sein. 
Lange vor der ganzen #metoo Debatte schrieb ich diesen Blogpost zum Thema Vergewaltigungsmythen und brauchte auch einen kleinen Teil meiner eigenen Geschichte mit hinein. Das war beängstigend und ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich etwas privates von mir dazugeben möchte. Eure Kommentare, E-Mails und Reaktionen waren so zahlreich, so mutig und so herzzerreißend, dass ich noch immer ganz bewegt davon bin. Hier versammelten sich die mutigsten Frauen und sprachen. Danke für eure Offenheit und für die zahlreichen Nachrichten, die mich auf so vielen Wegen erreichten.
5. Fragen lohnt sich
Ich habe Anfang diesen Jahres ein Projekt mit meinem Vater angefangen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich rein gar nichts über unsere Familiengeschichte weiß. Also habe ich Fragen gestellt. Einmal im Monat bin ich zu meinen Eltern gefahren, wir schauten uns alte Fotos an und ich erfuhr Geschichten über meinen Großvater, meinen Urgroßvater, meine Großmutter und das Leben, das sie führten. Alle drei habe ich nicht kennengelernt und so war es völlig neu zu erfahren, wie es bei ihnen aussah. Auch meinen Vater habe ich ganz anders kennengelernt. Ich erfuhr Kindheitsgeschichten, spürte den Schabernack, den er betrieben hatte und sah die traurigen Facetten ebenso wie die lustigen. Mein Verständnis darüber wer meine Familie ist, wo wir herkommen und was sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte zieht, war eindrücklich und wunderbar.
Über meinen Urgroßvater habe ich hier schon einmal geschrieben. Der Moment in dem ich ein Foto von ihm sah, wie er einen Pappdrachen mit einer Bierflasche attackierte brachte ihn mir emotional näher und ließ ihn lebendiger werden als alles bisherige. Fragen stellen und Geschichten hören gehörte zu den besten, eindrücklichsten und wunderschönsten Momenten des vergangenen Jahres. Solltet ihr noch die Gelegenheit dazu haben, dann versucht es. Ich bin mir sicher, ihr werdet eure Familie plötzlich mit anderen Augen sehen. Ich möchte dieses Element auf jeden Fall mit in das neue Jahr nehmen.
6. Freundschaft misst man nicht in Jahren
Ich habe letztes Jahr völlig neue Freundschaften geschlossen. Durch den Umzug nach Hannover habe ich einen neuen Freundeskreis aufgebaut und ein neues soziales Netz gebaut. Seltsam, manche von meinen Mädels stehen mir so nah, wie Menschen, die ich seit 10 Jahren kenne, nicht. Freundschaft entsteht nicht zwangsläufig durch gemeinsame Jahre. Wunderschön, wenn es Menschen gibt, die man seit Ewigkeiten kennt. Das habe ich auch und schätze es sehr. Manchmal gibt es allerdings so Menschen, die eigentlich noch gar nicht so lange bekannt sind, die plötzlich zur Familie gehören. Ich bin sehr dankbar dafür und verneige mich vor all den großartigen Menschen, die ich kennenlernen durfte, diejenigen, die mit dir in der Notaufnahme sitzen und Händchen halten, wenn es darauf ankommt.

7. We are all struggeling
Ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich denke andere Menschen haben ihr Leben komplett im Griff und niemals Zweifel an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns. Diverse perfekt gestaltete Blogs und Fotoreihen vermitteln das ja auch ganz gerne. Im letzen Jahr habe ich mich mit einigen Menschen unterhalten, die auf den ersten Blick wahnsinnig selbstsicher und ohne Zweifel wirkten. Pustekuchen. War gar nicht so. Bei genauer Betrachtung bin ich noch keinem Menschen begegnet, der nicht etwas mit sich herumträgt. Irgendwie macht uns das ja auch zu Menschen.
8. Sport, der Spaß macht, ist der richtige Sport
Ich werde wohl nie die Frau sein, die in Ballsportarten brilliert oder sich auf jedes HiiT Workout freut. Das ist einfach nicht meins und ich gebe dahingehend schnell auf. Mein Sport ist ein anderer. Ich bin diejenige, die gerne morgens ein Yogaworkout macht und vor der Arbeit zwei Mal in der Woche schwimmen geht. Ich bin die Frau, die am Wochenende voller Freude und mit lauter Musik auf den Ohren joggen geht und sich auf ihr Balletttraining freut. Vermutlich werde ich nie ein Sixpack haben und perfekt trainiert sein. Dafür bleibe ich dran. Für Sport, der mir keinen Spaß macht und nur dazu dient einem Ideal hinterher zu rennen, ist das Leben zu kurz.
9.  Gesunde Ernährung ist auch Genuss
Apropros zu kurzes Leben. Es ist ja auch zu kurz um permanent nur Sellerie zu essen. Low Carb, restriktiv und voll schlechtem Gewissen ist definitiv kein Konzept, das mich dauerhaft glücklich macht. Ich esse gerne frisch und gesund, aber einem Donut und einem gesüßten Kaffee kann ich nur schwer widerstehen und will das auch gar nicht. Ich habe mich seit einem Jahr nicht mehr gewogen und habe das auch für das nächste Jahr nicht vor. Ich bin mehr als eine möglichst kleine Zahl auf der Waage. Wenn ich Hunger habe esse ich das, worauf ich Lust habe und höre damit auf sobald ich satt bin. Mehr muss das gar nicht sein. Und siehe da: Ohne Verbote hat auch das angeblich so ungesunde Essen nicht mehr den Reiz des Verbotenen.
10. Trust the process, bro
Diesen Spätsommer und Herbst wurde ich ziemlich auf die Probe gestellt. Ich, die ich Dinge gern klar und sortiert habe, plötzlich mitten in einem kleinen emotionalen Wirbelwind voller hin und her. Hm. Gibt sicher angenehmeres. Aber irgendwie ist ja dann am Ende alles gut geworden. Und wenn wir ganz ehrlich sind, was wäre das Leben ohne ein bisschen Wirbelwind? Für das nächste Jahr möchte ich für solche Situationen mehr Vertrauen mitnehmen. Denn egal wie es am Ende ausgeht, die Welt wird dabei wahrscheinlich nicht untergehen. Und wie meinte ein sehr weiser Mensch einmal zu mir “Man läuft halt Gefahr ein bisschen verletzt zu werden” Meistens ist es das allerdings wert.
11. When in doubt go to the librarby or go dancing 
Hilft beides. Ich bin ohnehin für mehr durch die Wohnung tanzen und lesen ist auch ein Trostpflaster für die Seele.

12. Du kannst so viel achtsam Kakao schlürfen wie du willst. Es wird nicht helfen, wenn es drinnen nicht stimmt
Achtsamkeit ist der neue Inbegriff diverser Lifestyleblogs und Magazine. Wenn ich nachzählen würde wie oft ich höre, dass jemand achtsam sein möchte und hygge und sowieso bedacht leben will, dann käme ich aus dem Zählen gar nicht mehr raus. Das ist ja auch alles löblich und gut. Bei wirklichen Problemen nützt das aber alles nichts. Da heißt es Problemlösung vor Kakao trinken. Achtsamkeit wird sonst leicht zu einem kleinen Deckchen, das wir über all die Dinge stülpen, die nicht funktionieren und das uns hilft uns gar nicht mit uns selbst auseinandersetzen zu müssen. Auf Dauer ist das nicht gut. Drachen bekämpfen geht vor Prinzessin ehelichen, oder?
13.  Trotzdem solltest du achtsam Kakao trinken
Mal von der Wichtigkeit der Problemlösung abgesehen, ist nichts gegen einen achtsamen Genuss von Kakaogetränken einzuwenden.
14.Musik spricht lauter als Worte
Manchmal reichen Worte nicht, manchmal braucht es Musik. Nichts ist so schön wie sich dem süßen Zauber der Musik hinzugeben, den Stimmungen, den Lyrics.
15. Außerhalb deines Teiches gibt es buntere Fische
Dieses Jahr habe ich Unmengen an Büchern gelesen und ich glaube das war eine der besten Ideen, die ich hatte. Sei es das Abtauchen mit Melville und Jules Vernes, philosophieren mit Kehlmann, ermitteln mit Aaronovitsch oder mit Brecht Sozialkritik üben, Bücher erweitern den Horizont und die Fantasie. Und Museen führen in unbekannte Welten. Sei es das Sprengelmuseum, die alte Nationalgalerie, das Picassomuseum oder das Neue Museum in Berlin. Sei es eine Ausstellung zu moderner Kunst oder eine Galerie über Comics. Das Leben ist bunt und farbenfroh. Ich fände es furchtbar, wenn ich mich nur noch und ausschließlich mit meinem Fachgebiet beschäftigen und alles andere in der Welt vergessen würde. Natürlich mag ich Psychologie, aber nichts ist eintöniger als niemals um die Ecke zu denken. Für das neue Jahr nehme ich die Bücher, die Museen gerne wieder mit.
16. Selbstfürsorge rulez
Wenn ich eine Sache im letzten Jahr wirklich viel gemacht habe, dann war es arbeiten. Das ist auch in Ordnung, schließlich fange ich gerade erst damit an und habe Freude daran. Trotzdem habe ich dieses Jahr irgendwann bemerkt, dass Selbstfürsorge an sich wirklich eine gute Idee ist und niemand etwas davon hat, wenn ich auch noch mit Fieber arbeiten gehe. ok, es wurde mir mehr oder weniger gelehrt während ich mich mit Händen und Füßen wehrte, aber was solls. Immerhin habe ich es ein bisschen besser verstanden. Hoffentlich.
17. Manche Ziele werden nicht erreicht und das ist auch ok. 
Eigentlich wollte ich in diesem Jahr so viel weiter kommen. Eigentlich sollte meine Promotion sehr viel weiter sein als sie ist. Hat nicht geklappt, ich hinke hinterher.Vermutlich wird mein Zeitplan nicht aufgehen. Stirbt da jetzt jemand dran? Nein. Nur mein Ehrgeiz und das innere Stimmchen, das mich antreiben möchte sind ein wenig beleidigt. Aber das tut denen auch mal ganz gut, die können ja nicht immer gewinnen. Und für die Gelassenheit ist es auch nicht schlecht zu erkennen, dass nicht immer alles nach Plan funktionieren muss.

Was habt ihr denn aus dem Jahr 2017 behalten? Ich wünsche euch einen wunderbaren Jahresabschluss. Es war zauberhaft mit euch. Danke für eure Unterstützung, eure zahlreichen Kommentare und E-Mails und all die lieben kleinen Botschaften, die mich erreichten. Ich hoffe ihr lasst es heute ordentlich krachen und feiert angemessen in das kommende Jahr hinein.
Liebste Grüße
Lotte

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